Ich bin anders als die anderen… stimmt. Jeder ist anders als die anderen, jeder ist einzigartig und jeder ist etwas Besonderes. Liest man. Hört man. Sagt man. Aber fühlt man es auch? Was bedeutet es denn überhaupt, anders zu sein?
Im der Phase unserer Entwicklung gibt es einen sehr wichtigen Zeitabschnitt, in dem es sein muss, dass wir anders sind, als die anderen. Um uns abzugrenzen, um „uns selbst“ zu finden, bzw um herauszufinden, wie weit wir „anders“ sind. Im Sprachgebrauch wird dieser Lebensabschnitt auch Pubertät genannt…
; wer gerade einen Jugendlichen in diesem Alter daheim hat, sagts mit einem Seufzer.
Leider scheint es so, dass die Jugendlichen in der schwierigen Phase der Pubertät wenig Vorbilder ausmachen können, und sie erkennen in dieser Zeit lediglich – so wie die anderen will ich nicht sein; jedoch nicht, was dieses „anders sein“ bedeuten kann… und bleiben in der Abgrenzung stecken. Was heisst das genau? Einfach alles anders machen als die Masse. Unreflektiert. Die Masse hört Ö3? Sofort wird Schwermetall aufgelegt… denn das ist anders.
Ist das DAS anders sein? Warum wollen wir denn eigentlich anders sein? Logischerweise weil unser Ziel ist, glücklich zu werden. Und die Frage stellt sich: Wie?! Oft sehen wir, dass die Masse – der Grundtenor der Masse – eher unglücklich ist. Die „Tagesthemen“ sind Stress, Motivationslosigkeit,… Alltagsroutine. Und wir – in unserem Innersten – sehnen uns nach dem Gegenteil: Keine Routine, Spass, Motivation, Liebe, Freude… deshalb suchen wir nach der Andersartigkeit, und die einfachste Lösung „anders“ zu sein ist, einfach alles anders zu machen als die anderen.
Aber reicht das schon zum Glück? Leider nein… es führt maximal dazu, dass wir dann „anders“ sind, aber auch ausgegrenzt. Mit ein paar anderen, die es auch so gemacht haben. Aber ist das denn wirklich anders? Ich denke nicht, denn in Wahrheit sind wir dann zwar offensichtlich anders, aber eigentlich doch ganz genau gleich! Warum? Weil sich das „anders sein“ ganz woanders manifestiert, als in den Handlungen – nämlich in der Bewusstheit über die Handlungen. Der Masse wird vorgeworfen, unreflektiert den Alltagstrott zu leben; „nicht zu denken“. Es ist aber nicht wirklich “anders”, unreflektiert einfach genau das Gegenteil zu tun… Ich behaupte, das wahre „anders sein“ – individuell sein, einzigartig sein, ICH sein – bedeutet, reflektiert zu handeln, und in manchen Dingen vielleicht konform mit der Masse zu sein, in anderen wieder nicht. Es bedeutet, für sich selbst eine Entscheidung zu treffen – nicht weil es die Masse tut, oder eben nicht tut – sondern weil ich für mich finde, dass mir das gefällt. Punkt. Mit der Masse oder eben dagegen. Genau hier ist der Unterschied, denn genau dann „schwimmen“ wir weder mit der Masse, noch mit der Masse des Gegenstroms… sondern in unserem eigenen Strom… und der bringt uns schliesslich auch an unser eigenes, individuelles Ziel.
Viel Spass beim Schwimmen…
